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Jeder Hobbyfilmer kennt das: Die Camcorder
werden immer kleiner und leichter, was für den Transport gut
ist, aber dazu führt, daß die Bilder immer verwackelter
werden, weil es immer schwieriger wird durch die fehlende Masse
die Cam ruhig zu halten. Ein wenig Abhilfe schafft der in der Cam
eingebaute Bildstabilisator. Jedoch ist dieser in der Regel nur
aktivierbar, kennt also nur an und aus und bietet keinerlei Feineinstellung.
Natürlich kann ein Stativ die nötige Ruhe in die Bilder
bringen, aber in manchen Situationen ist ein Stativ zu unhandlich
oder unflexibel oder hat schlichtweg einfach keinen Platz. In solchen
Momenten kann es dann schon passieren, daß die Aufnahmen beinahe
unansehnlich werden -vor allem im Zoombereich-, weil es einfach
unmöglich ist die Cam einigermaßen ruhig zu halten. Taugt
der eingebaute Bildstabilisator nichts, bleibt nur noch die Nachbearbeitung
am Computer. Solch eine Computer basierende Lösung möchte
ich hier vorstellen. Und das Beste daran: Sie ist auch noch umsonst,
da das benötigte Programm samt PlugIn Freeware ist!
1. Das Ursprungsfile
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Kommen wir zuerst zum Ursprungsfile: Ein
kleines Schaf, das noch Probleme mit der Leiter aus der Hütte
hat. In diesem Fall war ein Stativ zu unflexibel, da die Schafe
ja ständig hin und her rennen und man dadurch gezwungen ist
ständig seine Position zu verändern. Nah rangehen kann
man auch nicht, da die Tiere ja von Natur aus scheu sind. Also muß
man quasi "aus der Hüfte schießen" und das
auch noch in einem starkem Zoombereich. Das stark verwackelte Ergebnis
kann man hier bewundern:
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2. VirtualDub und das Deshaker-PlugIn
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Die benötigte Software: VirtualDub und
das Deshaker-PlugIn. VirtualDub ist ein kostenloses, simples Videobearbeitungsprogramm.
Sämtliche bisher veröffentlichten Versionen gibt es hier:
http://sourceforge.net/project/showfiles.php?group_id=9649&package_id=9727
Das Deshaker-PlugIn gibt es hier:
http://www.guthspot.se/video/deshaker.htm
VirtualDub benötigt keinerlei Installation. Man muß lediglich
das Zip-File das alle benötigten Files enthält in ein
Verzeichnis entpacken und die Deshaker-PlugIn-Datei Deshaker.vdf
in den PlugIn-Ordner von VirtualDub kopieren und schon kann man
mit einem doppelklick auf die Datei VirtualDub.exe loslegen.
3. Der erste Durchgang - Pass
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Zuerst öffnet man das entsprechende
AVI-File unter "/File/Open video file.../." Sollte an
dieser Stelle eine Fehlermeldung kommen in etwa der Form: "Could
not locate Decompressor dvsd", dann ist kein geeigneter DV-Codec
installiert und man muß einen DV-Codec nachinstallieren. Ein
kostenloser Codec ist der Panasonic-DV Codec, der i-tüpfelchen
gleich mit dem Microsoft Codec ist. Hat man einen DV-Codec installiert,
öffnet sich das File in zwei Fenstern. Das linke Fenster ist
das sogenannte INPUT-Fenster. In diesem sieht man das Original-File
ohne Bearbeitung von der Festplatte. Das rechte Fenster ist folglich
das OUTPUT-Fenster. In diesem sieht man das bearbeitete Endergebnis.
Bei nicht allzu aufwändigen Bearbeitungen und genügend
Rechenleistung sogar in Echtzeit. Im Falle vom Deshaker-PlugIn:
Macht euch keine Hoffnungen. Auf einem
3,2 GHZ AMD ist man von Echtzeit noch weit entfernt, was bei der
anfallenden Rechenarbeit kein Wunder ist. Wir reden hier immerhin
von einem Programm, das versucht das Bildmaterial so zu analysieren,
damit es erkennt, was Schwenk, was Bewegung eines Objektes und was
wackeln im vorhandenen Bildmaterial ist. Und ich muß sagen,
ich bin bei jedem File immer wieder aufs neue Überrascht, wie
gut es das erkennt!
So, wir haben das File geöffnet und
stellen fest, das unser Bildschirm mit einer Auflösung von
1024x768 Bildpunkten zu klein ist. Wir sehen vom Output-File nur
die Hälfte. Solltet ihr nicht einen TFT mit einer vertikalen
Auflösung von mindestens 1440 Pixeln haben, geht es euch genauso.
Also passen wir unser Input- und/oder das Output-Fenster mit einem
Rechtsklick auf dasselbige und auswählen von 1/2 oder 1/4 Größe
an. Kleiner Tip: Ich würde nur das Input-Fenster verkleinern,
denn man will ja schließlich sehen, was hinten rauskommt.
Als nächstes wählen wir gleich einmal die Komprimierung
aus in der das File später gespeichert werden soll. Im Normalfall
nimmt man dazu den installierten DV-Codec. In unserem Fall den Pansonic
DV-Codec. VirtualDub stellt von Haus aus keinen Codec ein und meldet
dies auch mit einer Warnung vor dem Speichern das ohne Komprimierung
ein sehr, sehr großes File gespeichert wird. Also gehen wir
unter /Video/Compression.../ und wählen in dem darauf folgenden
Fenster unseren DV-Codec aus.
Nun klicken wir unter "Video" auf
"Filters..." und anschließend auf "Add..."
und wählen das Deshaker Plug-In von Gunnar Thalin aus. Es öffnet
sich das Einstellungsfenster. Die Einstellungen könnt ihr an
Hand des folgenden Screenshots vornehmen. Es sind Standard-Einstellungen,
die für die meisten Aufnahme-Situationen gute bis sehr gute
Ergebnisse erzielen. Zu beachten ist, daß man die Einstellungen
unter Pass2 erst vornehmen kann, wenn man auf den gleichnamigen
Button klickt. Vergeßt aber nicht, nach eingeben der zahlenwerte
wieder auf Pass 1 zu klicken. Das Deshaker Plug-In arbeitet in zwei
Durchgängen. Pass 1 analysiert das Video-Material und entscheidet,
was ist Bewegung, Zittern, Schwenk, ect. Die Ergebnisse speichert
es in einer
Log-Datei. Wohin diese Datei gespeichert wird, könnt ihr Links
unter Pass 1 & 2 einstellen. Kleiner Tip: ich würde als
Speicherort das gleiche Verzeichnis auswählen, wie die geöffnete
AVI-Datei so bleibt immer alles schön beisammen und es sammelt
sich kein Datei-Müll an. Wie gesagt, dies sind Standard-Einstellungen.
Wer noch mehr ins Detail gehen will, den Verweise ich hier auf die
Anleitung. Lediglich die Einstellungen unter "Ignore Image
area" empfehle ich zum rumspielen, denn die beinhalten ein
tolles Feature. Man kann damit Bereiche definieren, die für
die Bewertung nicht herangezogen werden. Was unter Umständen
sehr hilfreich sein kann. Nimmt man z.B. eine Aufnahme vom Meer
mit einem Sandstrand im Vordergrund, könnte es passieren, daß
sich das Deshaker Plug-In auf das Meer einstellt und somit gleichmäßig
auf und ab wippt. Indem man diesen Bereich von der Bewertung ausschließt,
kann man unter Umständen doch noch gute Ergebnisse erzielen.
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Deshaking-Einstellungs-Fenster
(Klick zum Vergrößern) |
Nachdem ihr alles
eingestellt habt und Pass 1 wieder aktiviert habt, schließt
ihr das Deshaker Fenster und das Plug-In Fenster von VirtualDub mit
einem klick auf OK. Nun müßt ihr euch vergewissern, daß
der Schieber über den Abspiel-Knöpfen mit dem man im Video-Material
"scrubben" kann, sich auch ganz links am Anfang des Files
befindet. Wenn nicht, ein Klick auf den Strich mit dem Pfeil nach
links und VirtualDub springt an den Anfang des Files. Seit ihr ganz
links startet ihr den ersten Durchgang (Pass 1) des Deshaker Plug-Ins
mit Klick auf den Abspiel-Button mit dem kleinen O (O für Output),
also das sogenannte "Output Playback". Jetzt heißt
es je nach Größe der Datei, warten, warten, warten.
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4. Die Bildstabilisierung
- Pass2
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Ist man mit der Bewertung des Videos durch, öffnet man wieder
die Einstellungen des Deshaker Plug-Ins unter "Video\Filters...",
Deshaker Plug-In selektieren und auf den Button "Configure..."
klicken. Jetzt wählt man, bzw. aktiviert man Pass 2. Hier kommen
wir jetzt zu den Essentiellen Einstellungen. Bei Pass 1 hat VirtualDub
das Video bewertet, was ist Bewegung, was ist Schwenk, was Wackeln.
Jetzt müssen wir unter Pass 2 einstellen, wie sehr diese analysierte
Bewegung eingeschränkt wird. Unter "Motion smoothness"
stellt man einen sogenannten "Treshold" Wert ein, ab dem
die Bewegungskompensation greifen soll. Dieser Wert bewegt sich
in der Regel zwischen 20000 und 60000. Höhere Werte führen
zu mehr Ruhe im Bild. Und zwar einmal für die Horizontale und
die Vertikale Bewegung und eventuelle Drehbewegungen (Rotation)
oder Zoom-ähnliche Bewegungen (verursacht dadurch, wenn man
nach 3 Bier versucht hat noch zu filmen und einen Aktions-Radius
von 2 Metern hatte). Da ich nüchtern war und einen festen Standpunkt
hatte, habe ich die Zoom-Korrektur mit dem Wert "0" ganz
abgeschaltet. In erster Linie geht es bei dieser Aufnahme um die
horizontale und vertikale Korrektur. Das Feld darunter mit dem Titel
"Max. correction limits (in Percent and degrees)" gibt
nun -wie der Name schon sagt- den Korrekturgrad in Prozent an, also
wie stark das Deshaker Plug-In "zupacken" soll und damit
das Bild festnagelt. In der Regel wird sich hier der Wert um die
10 Prozent plus minus 5 Prozent bewegen. Damit wir sehen, wie unsere
Stabilisierung arbeitet, schalten wir die "Edge compensation"
vorerst auf "None (large borders)". Dadurch sehen wir
den tanzenden schwarzen Rahmen um unser Video. Alle Einstellungen
getätigt? Dann machen wir das Einstellungsfenster und das Plug-In
Fenster wieder zu und und klicken auf den Strich mit dem Pfeil nach
links damit VirtualDub wieder zum Anfang springt. Es folgt dieses
Bild:
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Jetzt heißt es noch einmal warten, aber normalerweise nicht
mehr so lange wie bei Pass 1. Das Deshaking Plug-In berechnet nun
Anhand unserer Einstellungen die Bildstabilisierung. Ist die Berechnung
abgeschlossen, können wir uns das Ergebnis mit Klick auf den
Output-Playback Knopf ansehen, was dann in etwa so aussieht: ein ruhig
stehendes Schaf mit einem tanzenden, schwarzen Rahmen drum herum.
Wie gesagt, eine ruckelfreie Wiedergabe schafft ein 3,2 GHz Rechner
nicht, daher ist es für eine genauere Bewertung unerläßlich
unser Video einmal abzuspeichern und das Ergebnis im Media Player
zu begutachten. Dazu geht man unter
"File/Save as Avi...", wählt den Namen und klickt auf
Speichern. Anschließend öffnet man das gespeicherte File
mit einem Doppelklick im Media Player.
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5. Die schwarzen Ränder verbergen
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Das Schaf steht jetzt wie eine Eins, was ja
schon mal eine 1000 prozentige Verbesserung ist gegenüber dem
Ursprungsfile. Eine Kleinigkeit, die den Filmgenuß jedoch
trübt, ist dieser hektisch umhertanzende, schwarze Rahmen.
Um den wegzubekommen müssen wir leider eine kleine Verschlechterung
der Filmqualität hinnehmen, da wir dazu gezwungen sind, das
Video soweit aufzuzoomen, bis der schwarze Rand gänzlich verschwindet.
Hier sieht man schon, je mehr man gewackelt hat, desto mehr muß
man im nachhinein aufzoomen und desto schlechter wird die Qualität
des neuen Videos.
Dazu begeben wir uns wieder zu den Einstellungen des Deshaker-PlugIns
und suchen unter den Pass2 Einstellungen den Eintrag "Edge
compensation". Dort im Pulldown-Menü wählen wir "Fixed
zoom (no borders)". Das Deshaker-PlugIn versucht nun selbstständig
das Video-Material soweit aufzuzoomen, so das keine tanzenden, schwarzen
Ränder mehr zu sehen sind. Leider hat diese Funktion bei mir
in der Vergangenheit nicht immer 100% funktioniert. In dem ein oder
anderen Fall kam es schon mal vor, daß trotzdem noch ein kleiner,
tanzender Rand zu sehen war, also der Zoom etwas zu wenig war. Sollte
das der Fall sein, kann man dem sehr einfach abhelfen. Etwas unter
der Einstellung "Edge compensation" findet sich die Einstellung
"Extra zoom faktor". Dieser steht normalerweise auf 1.
Will man etwas mehr zoom haben, wählt man einen höheren
Zoom-Faktor. Ein anderer Weg wäre die Berechnung nochmal machen
zu lassen und mit den Treshold und/oder den Prozentwerten zu spielen.
Sehen wir uns den Film mal an nach dem aufzoomen:
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Es fällt auf, daß zwar links und
rechts keine Balken mehr zu sehen sind, aber oben und unten sehr wohl
noch welche tanzen. Die Erklärung ist einfach: Wer sich noch
an das Ursprungsfile erinnert, hat gesehen, daß es schwarze
Balken oben und unten hat, da ich an meinem Camcorder den Pseudo-16zu9-Modus
aktiviert hatte. Da schwarze Balken für eine Bewegungserkennung
natürlich vollkommen unnütz sind, habe ich diese auch aus
der Berechnung ausgeschlossen (wir erinnern uns: bei Pass 1 kann man
einen Bereich angeben, der für die Bewegungserkennung nicht herangezogen
wird). Daher hat das Deshaker-PlugIn auch nur soweit aufgezoomt, wie
ich Bildmaterial zur Berechnung zur Verfügung gestellt habe.
Die Lösung ist einfach: Wir fügen die schwarzen Balken oben
und unten einfach wieder ein und überdecken somit die tanzenden
Balken. Der Filter dazu in VirtualDub nennt sich (wie kann es auch
anders sein?) "fill". Fill ist eigentlich dazu da ein beliebig
großes, farbiges Rechteck an einer beliebigen Position im Video
zu erstellen. Wir wollen zwei Rechtecke erstellen, eins oben und eins
unten in der Farbe schwarz. Dazu müssen wir den Filter zweimal
einfügen und zwar unterhalb des Deshaker-PlugIns. Das sieht dann
so aus:
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Zum testen wir groß die schwarzen Balken
vom Ursprungsfile eigentlich waren, habe ich VirtualDub einfach nochmal
geöffnet, das Ursprungsfile mit den schwarzen Balken geladen
und mich mittels des Filters "fill" an dieselbigen herangetastet
bis ich die Werte hatte. Witzigerweise hat mein Camcorder zwei unterschiedlich
große Balken. Oder man kann es auch so sehen, daß er den
sichtbaren Bildbereich nicht genau in die Mitte setzt. Hier meine
Werte:
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Filter
"fill"
oberer Balken |
Filter
"fill"
unterer Balken |
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6. Das Endergebnis
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So, das war´s auch schon und ich finde,
das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aus einem sehr verwackelten,
unruhigen und damit schlecht ansehnlichem Video ist ein etwas unschärferes
aber dafür sehr ruhiges Video geworden. Noch ein paar Tips
zum Schluß: Ich habe beim arbeiten mit dem Deshaker-PlugIn
festgestellt, daß selbst ruckelnde Schwenks irgendwie "geglättet"
wurden, also sauberer und gleichmäßiger rüberkamen,
als ohne Bearbeitung durch das PlugIn. Daher habe ich sogar manche
Einstellungen die ich mit Stativ gedreht habe einer Bearbeitung
unterzogen, nur um den darin enthaltenen Schwenk sauberer zu gestalten.
Und für die Zukunft habe ich gelernt meinen Pseudo-16:9-Mode
in der Camera während den Aufnahmen abzuschalten und immer
das volle 4:3 Bild aufzunehmen, denn mit schwarzen Balken kann ich
das Video im Nachhinein immer noch versehen. Der Vorteil: man muß
nach einer Bildstabilisierung nicht ganz soweit aufzoomen um den
schwarzen, tanzenden Rand wegzubekommen, da man ihn zumindest in
der Vertikalen einfach mit den 16:9 Balken verdecken kann.
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| Das
Endergebnis |
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